Was hat ein zerknautschter 100-Euro-Schein eigentlich mit Nächstenliebe zu tun? Die Antwort erfuhren 34 Zehntklässler/innen, ihre Lehrkräfte und Betreuer/innen am Mittwoch, den 29. März, in der Martin-von-Tours-Schule: Die Jugendlichen hatten im vergangenen Schulhalbjahr ihr Sozialpraktikum im Fach Religion absolviert und sich dabei in verschiedenen sozialen Einrichtungen für Mitmenschen engagiert. Wie motiviert und erfolgreich sie dies getan hatten, bewiesen viele der Praktikumsberichte: 14 davon wurden von Religionslehrerin und Praktikumsbegleiterin Ursula Lembach mit der Bestnote bewertet. Die Jugendlichen erhielten für diese besondere Leistung vom Förderverein der Schule einen Eiscafé-Gutschein, den die stellvertretende Schulleiterin Carmen Fütterer überreichte. Gewürdigt wurde der Einsatz aller Praktikanten mit einer Feierstunde in der offenen Lernlandschaft.

Carina Feil und Bariş Korkmaz führten als Moderatorenteam durch das Vormittagsprogramm, das Ursula Lembach mit einer Begrüßungsrede an die Schüler, Betreuer und Herrn Oguz Yilmaz als Vertreter der islamischen Gemeinde eröffnete. Nicht zuletzt freute sie sich auch über die Anwesenheit der pensionierten Religionslehrerinnen Ursula Hett und Helene Rausch, die einst das Sozialpraktikum an der Neustädter Schule eingeführt hatten. Heute ist das Praktikum, das die menschliche Begegnung anstatt betrieblicher Erfahrungen in den Vordergrund rückt, fester Bestandteil des Schulprogramms, weshalb auch die zukünftigen Sozialpraktikanten aus der jetzigen Jahrgangsstufe 9 zu der Feier eingeladen waren.

Gespannt verfolgten alle Gäste Ursula Lembachs thematische Einführung anhand eines 100-Euro-Scheins und meldeten sich, als die Religionslehrerin fragte, wer diesen gut gebrauchen könne – obwohl sie ihn vorher zerknautscht und auf den Boden fallen gelassen hatte. „Seht ihr – der Schein verliert seinen Wert nicht!“, stellte die Pädagogin fest. „So sind auch wir Menschen: Selbst wenn wir gerade hingefallen sind, weil wir Schulangst, Selbstzweifel oder eine schlimme Situation erleben, behalten wir doch immer unseren Wert!“

Mit Blick auf Mutter Teresa, die sich um gestrandete Menschen gekümmert habe, schlug die Lehrerin den Bogen zum Sozialpraktikum: „Ihr habt in den letzten Wochen auch den Wert in jedem Menschen gesehen – ob ganz jung oder sehr alt!“ Viele Zehntklässler/innen hatten ihr Sozialpraktikum in einem Kindergarten oder einem Seniorenheim, einem Sportverein, einer Familie mit Kindern oder einer kirchlichen Einrichtung absolviert. Dass sie dabei sehr berührende Erfahrungen gesammelt hatten, zeigten Zitate aus den Praktikumsberichten, die Frau Lembach vortrug: So bekam Christina etwa zu hören, dass sie „ein Schatz“ sei, und Lea wurde als „wertvoll“ empfunden. Alle hatten dabei das erfahren und gelebt, was das biblische „Liebesgebot“ (Matthäus 19, 19) auf den Punkt bringt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Einblicke in die Praktikumszeit gewährten die Schülerinnen Melisa Dursun, Lea Schenk, Tori Hermer, Lina Mottner, Lea Stumpf, Julia Sohl und Julia Zink, die anhand von PowerPoint-Präsentationen ihre Praktikumsstellen vorstellten. „Die alten Menschen waren sehr dankbar und haben sich gefreut“, berichteten Melisa und Lea von ihrem Praktikum in der Seniorenwohnanlage Wiesenhof. Neuen Respekt vor der Arbeit von Erzieher/innen hatten Tori, Lina und Lea in den Kindergärten in Neustadt und Momberg gewonnen: Wie schön, aber auch anstrengend so ein Tag mit den Kleinen sein kann, hatten die Mädchen jetzt am eigenen Leib erfahren. Julia Sohl und Julia Zink hatten ihr Praktikum in Familien absolviert und beim Basteln und Spielen mit den Kindern erfahren, wie wichtig es ist, „offen auf andere Menschen zuzugehen“. Die Vorträge verdeutlichten, wie stark sich viele Jugendliche mit ihrem Praktikumsplatz identifiziert hatten, was nicht zuletzt auch Verdienst der freundlichen Betreuung in den Einrichtungen war. Dana Wettlaufer und Maikel Geisel dankten den außerschulischen Mentoren mit einem selbstgebastelten Lesezeichen.

Stufenleiter Stefan Seibert lobte das erfolgreiche „Lernen mit Herz und Hand“, das durch eine Öffnung der Schule „nach außen“ möglich geworden sei: „Nur das, was ich praktisch tue, begreife ich wirklich! Ihr habt es getan und habt es begriffen! Hört nicht damit auf, soziale Erfahrungen zu sammeln!“ Diesen Lobesworten schlossen sich auch die geladenen Betreuerinnen und Betreuer, die pensionierten Lehrerinnen Ursula Hett und Helene Rausch sowie die Stadträtin Anita Ochs in ihren Reden an.

Nadine Kalbfleisch