Lernzeiten statt Hausaufgaben, Unterricht im 70-Minuten-Rhythmus, Lernen im Ganztag und eine schülergerechte Pausengestaltung sind die Säulen des Konzeptes, das die Martin-von-Tours-Schule für das kommende Schuljahr plant.  Dass die bevorstehenden Veränderungen auf großes Interesse stoßen, bewies die rege Teilnahme am letzten Informations- und Diskussionsabend: Rund 100 Eltern und Lehrkräfte hatten am Mittwoch, den 29. März, den Weg in die Cafeteria des Hauptgebäudes gefunden, um sich über den Stand der Planungen zu informieren.

Schulleiter Volker Schmidt freute sich in seiner Ansprache über die große Anzahl der Eltern, die sich derzeit aktiv an der Schulentwicklung beteiligen: „So etwas habe ich noch nicht erlebt!“ Ihm sei es wichtig, den Eltern im Rahmen der Info-Veranstaltungen zum „70-Minuten-Modell“ Raum zu geben, ihre Ängste und Bedenken zu artikulieren, aber auch deren Ideen aufzugreifen, damit der neue schulische Schuh möglichst vielen Familien passen kann.

Erster Schwerpunkt des Abends war die Vorstellung des neuen Stundenmodells, bei dem die klassischen 45-(oder 90-)Minuten-Unterrichtszeiten, die noch aus preußischer Zeit stammen, in 70-Minuten-Blöcke umgewandelt werden sollen. „Der ‚unruhige Geist der Jugend‘ – wie es schon 1917 hieß – ist in unseren heutigen Zeiten bestimmt nicht ruhiger geworden“, plädierte der Schulleiter für eine Abschaffung der 90-Minuten-Doppelstunde, die sich erfahrungsgemäß als zu lang für viele Schüler erweise. Da laut wissenschaftlicher Untersuchungen aber von einer 45-minütigen Einzelstunde ohnehin nur etwa eine halbe Stunde effektiv als Arbeitszeit übrig bleibe, seien Doppelstunden sinnvoll. Ziel sei also, mit den 70-Minuten-Blöcken einen zeitlichen Mittelweg zu gehen und ein effizientes, zeitgemäßes Lernen einzuführen.  Die konkrete Umsetzung des Modells in Grundschule und Sekundarstufe erläuterte Mathematiklehrer Steffen Wanke anhand einiger Stundenplan-Beispiele, die auch dem Programm „Lernen im Ganztag“ (LiGa) entsprechen. Durch die neuen Stundenpläne soll das Ganztagsangebot erweitert werden.

Mit weiteren Schwerpunkten des neuen pädagogischen Konzeptes hatten sich in den letzten Monaten verschiedene Arbeitsgruppen aus Lehrern und Eltern befasst, deren Leiter anschließend ihre Ergebnisse vorstellten: Die stellvertretende Schulleiterin Carmen Fütterer, die Grundstufenleiterin Sandra Claar sowie die Lehrerinnen Monique Blankenberg und Monika Holzhausen stellten die Idee der „Lernzeit“ als Nachfolger des bislang bekannten „Freies Lernen“-Konzeptes (FL) vor. Hausaufgaben sollen – auch zur Entlastung des Elternhauses –zukünftig in der Schule erledigt werden, wobei eine Differenzierung in Basis-, Förder- und Forderaufgaben sowohl schwächeren als auch stärkeren Schülern gerecht werden möchte. Der bislang genutzte Schülerplaner wird, in neu überarbeiteter Version, den Eltern weiterhin Auskunft über Aufgaben und Lernverhalten ihrer Kinder geben.

Mit der Umgestaltung der Mittagspause befassten sich die Lehrkräfte Hartwig Bender und Gabriele Linke: Geplant sind künftig ein gemeinsames Mittagessen und eine halbe Stunde Freizeit mit einer Auswahl an Aktivitäten und Entspannungsmöglichkeiten. Neben einer Neugestaltung des Schulhofes in Kooperation mit dem Projekt „Soziale Stadt“ sollen auch der Jugendraum, die Sozialarbeiter und eventuell die Bücherei in das Angebot einbezogen werden. Die Schüler werden zudem die Möglichkeit haben, ausgebildete Streitschlichter aufzusuchen oder Spiele auszuleihen. Angedacht wird auch ein Ruheraum für Kinder und Jugendliche, die sich zurückziehen wollen. Für das warme Mittagessen ist in der Waldschule der Ausbau eines Küchen- und Speisebereiches geplant, den die Grundschullehrerinnen Ariane Michel und Kristina Schmidt-Millen vorstellten.

Im Anschluss an die Vorträge konnten die Eltern ihre offenen Fragen an den vielen Schautafeln oder im Gespräch mit der Schulleitung und den Arbeitsgruppenleitern klären, aber auch eigene Ideen mitteilen und so das Konzept weiter mitentwickeln.

Nadine Kalbfleisch