Highland-Rinder auf dem Schulhof, Hirschkäfer in der Pausenhalle und Bienen im Klassenraum waren nur einige Höhepunkte des KUS’S-Tages, die Schüleraugen zum Leuchten brachten: Der Klima- und Umweltschutztag der Schulen, der sich hinter der Abkürzung KUS‘S verbirgt, hatte die Martin-von-Tours-Schule in ein lebendiges Lernlabor verwandelt und bot für die Klassen 3-10 ein vielfältiges Angebot zum Staunen und Mitmachen, Lernen und Nachdenken. 18 Workshops und 22 Aussteller informierten über Themen wie Solarenergie und Elektro-Autos, Bio-Landbau und gesunde Ernährung. Der Naturschutz-Tag bildete auch einen ersten Vorläufer der Neustädter Umweltwoche, die vom 8.-13. Mai stattfindet.

Organisator Erich Weber vom Landkreis Hessen und Schulleiter Volker Schmidt zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung, die erstmals an der Neustädter Gesamtschule stattfand. In seiner Eröffnungsrede betonte Schmidt die Bedeutung des Umwelttages, der einen weiteren Schritt auf dem Weg zur zertifizierten Umweltschule darstellt: Klimaschutz werde an der Martin-von-Tours-Schule sehr ernst genommen, wie das Heizen mit Holzpellets, die Stromerzeugung mittels einer Photovoltaik-Anlage und die energetische Sanierung des Hauptgebäudes schon bewiesen hätten. Der Schulleiter dankte dem Landkreis herzlich für die Unterstützung im Rahmen dieser Sanierungen. Nicht zuletzt biete die Waldschule mit ihrer Lage eine „wunderbare naturnahe Lernumgebung“, wie sie nur wenige Schulen aufweisen könnten. Auch das Gebäude in der Querallee habe mit dem nahegelegenen Feuchtbiotop und der angrenzenden Wiese Potenzial, das es in Zukunft noch stärker zu nutzen gelte. Der erste Schritt Richtung Schulgarten wurde als Auftakt der Veranstaltung gemeinsam getan: Am Morgen pflanzte der Schulleiter gemeinsam mit Energiecoach Erich Weber, dem Neustädter Bürgermeister Thomas Groll, Dr. Helmut Otto (Leiter des Fachdienstes Klimaschutz)  und dem stellvertretenden Schulsprecher Nico Spies vor den Augen aller Klassensprecher einen Apfelbaum hinter dem Schulgebäude. Einen weiteren Baum setzten Landrätin Kirsten Fründt und der Neustädter Stadtrat Wolfram Ellenberg am Mittag auf der künftigen Streuobstwiese. Auch sie betonten in ihren Reden den Klimaschutz als einen Arbeitsschwerpunkt des Kreises und lobten das vorbildliche Engagement der Martin-von-Tours-Schule. Sie wünschten sich, den Weg einer umweltbewussten Schule auch in Zukunft weiter gemeinsam beschreiten zu können. „Ich schätze es sehr, dass der Kreis auch unsere Schule ausgewählt hat, um einen Klimatag durchzuführen“, bedankte sich Schulleiter Schmidt abschließend beim Landkreis. „Für uns war es eine tolle Erfahrung.“

Dass Klima- und Umweltschutz bei jedem Einzelnen anfange und gerade für die Schüler als Generation der Zukunft ein wichtiges Thema sei, hob auch Dr. Otto in seiner Ansprache hervor. „An einem solchen Projekttag fällt es sicher leichter, sich mit Umweltthemen zu befassen als wenn der Lehrer im Unterricht etwas erzählt“, ergänzte Bürgermeister Groll.

Da sich alle Schüler im Rahmen dieses Lernangebotes in zwei Workshops einwählen durften, konnten sie eigene Interessenschwerpunkte setzen: So erfuhren die Fünft- und Sechstklässler viel Wissenswertes über Schmetterlinge der Umgebung, Bienen und Imkerei, Wasserökologie oder gesunde Ernährung. Bei trockener Theorie blieb es dabei aber nicht: Am Neustädter Bach wurde so manche Hose nass, als die Schüler die Wasserorganismen beobachteten. Auch die „Schmecksperten“ in der Schulküche hatten viel Spaß bei der Zubereitung von Pellkartoffeln mit Grüner Sauce. Dass man aus Lebensmitteln Pflanzenfarben herstellen kann, erfuhren die Grundschüler  im Kunstraum von Künstlerin und Fotografin Antonia Jacobsen. Ein Waldspaziergang und ein Klimafrühstück rundeten das Angebot für die Grundstufe ab.

Experimente zum Thema „alternative Energien“ standen für die Neunt- und Zehntklässler auf dem Programm: Gemeinsam mit Energiecoach Weber und anderen Experten befassten sie sich mit Solarenergie, Lichtexperimenten und dem Bau eines Elektromodellautos. Die Jahrgangsstufen 7 und 8 gingen im Rahmen von Stationsarbeiten den Fragen nach, woher unsere Lebensmittel kommen, wie viel wir davon verschwenden, welche Kosmetikartikel Mikroplastik enthalten und wie sich Kunststoff durch nachwachsende Rohstoffe ersetzen lässt. Ein Aha-Erlebnis für viele Jugendliche: „Selbst in meinem Lieblingsduschgel ist Erdöl“, stellte ein Mädchen betroffen fest.

Schüler und Lehrkräfte konnten sich in der Ausstellung im Foyer bei regionalen Organisationen, Vereinen und Anbietern rund um den Naturschutz informieren und eigene Projekte planen: Landwirtschaftliche Direktvermarkter aus der Region, das Forstamt Kirchhain, die Umwelt- und Naturschutzgruppe Momberg und der BUND Neustadt, das Schulbiologiezentrum Biedenkopf, die Marburger Traditionsmolkerei, die Region Marburger Land , der Bauernhof Trier und die Auen-Schule Mengsberg sowie viele andere Aussteller luden zum Fragen, Schmökern und Mitmachen ein. Ein Lächeln in die Gesichter zauberten vor allem die drei schottischen Hochlandrinder der Familie Westphal, deren eine Tonne schwerer Zottelbulle besonders die Kleinen beeindruckte. Auch das Marburger Klimatheater „Immer dem Schnabel nach“ begeisterte die Grundschüler. Highlight des Vormittags bildete für viele Kleine und Große nicht zuletzt die Fahrt im rasanten Elektro-Tesla. „Viele Schüler sind heute glücklich nach Hause gegangen und haben viel gelernt und begriffen“, freute sich die stellvertretende Schulleiterin Carmen Fütterer, die den Tag gemeinsam mit Lehrerin Monika Holzhausen von schulischer Seite aus organisiert hatte.

Während der etwas andere Unterricht für die Schüler nach der sechsten Stunde endete, konnten sich die Lehrkräfte im Rahmen von sieben nachmittäglichen Fortbildungsangeboten über lokale Angebote zum Umweltschutz informieren. Sie staunten über die vielfältigen Möglichkeiten in der nahen Umgebung, die neben einem Naturlehrpfad, einem Waldspielplatz und einem Hirschkäferpfad auch den eiszeitlich anmutenden Muschelkalksteinbruch in Mengsberg umspannten, in dem Lehramtsstudent Tobias Weißenborn in Kürze Exkursionen für Schüler ermöglichen möchte. „Wir haben viele neue Anregungen für Ausflüge und unseren Unterricht bekommen“, waren sich die Lehrer am Ende einig. Und auch darum ging es an diesem KUS’S-Tag: Menschen auf dem Weg zum Naturschutz auf neue Pfade zu führen und miteinander zu vernetzen.

Nadine Kalbfleisch

Die Martin-von-Tours-Schule bedankt sich herzlich bei allen Organisatoren, Ausstellern, Workshop- und Projektleitern für das vielfältige Programm und einen interessanten, lehrreichen Tag mit vielen neuen Impulsen!