Bürgerverein erhält Schulpreis

Auch in diesem Jahr feierte die Martin-von-Tours-Schule Ende Januar wieder ihren Neujahrsempfang. Am 24. Januar hatte die Neustädter Gesamtschule Vertreter aus der Schulgemeinde und Politik eingeladen, erinnerte an die Höhepunkte 2019 und vergab zum vierten Mal den Martin-von-Tours-Schulpreis für besonderes ehrenamtliches Engagement, den in diesem Jahr Dieter Trümpert stellvertretend für den lokalen Bürgerverein erhielt. Der Schulleiter Volker Schmidt dankte der erweiterten Schulleitung, den Elternvertretern, dem Kollegium sowie den vielen externen Personen, welche die Schule in den letzten Monaten bewegt und getragen hatten, für ihren Einsatz. Begleitet wurde die Feierstunde von Beiträgen der Schulband unter der Leitung von Jan Ditters sowie einem musikalischen Neujahrsgruß der 3. und 4. Klassen mit ihren Lehrerinnen Daniela Schmittdiel und Simone Berninger. Für den stilvollen Sektempfang mit Schnittchen sorgte traditionell die Schüler-Cateringfirma der zehnten Klassen mit ihrer Lehrerin Astrid Becker.


In seiner Ansprache  betonte der Direktor die große Verantwortung und Herausforderung, Kinder und Jugendliche zu mündigen, kritisch denkenden jungen Menschen zu erziehen. Anhand der bekannten Hattie-Studie wies er auf die wichtigsten Faktoren des Lernens hin. An oberster Stelle stehe die Erwartung des Kindes an sein eigenes Lernen, gemäß dem Motto „Wenn ich etwas wirklich lernen möchte, wird es mir auch gelingen!“ Ebenfalls von Bedeutung sei die Glaubwürdigkeit der Lehrkraft. In diesem Zusammenhang zeigte er ein Foto des Kollegiums und bedankte sich bei allen für die sehr engagierte Arbeit auf allen Ebenen. Er griff vor allem die Multiprofessionalität des Kollegiums auf, das Lehrkräfte aller Schulformen und Kompetenzen umspannt. Stolz zeigte sich Schmidt auch darüber, dass viele junge Kolleg*innen nach Abschluss ihrer Ausbildung an der Martin-von-Tours-Schule bleiben wollen: „Unser Kollegium hat sich in den letzten Jahren sichtlich verjüngt.“ Zudem erhalte die Schule viele Bewerbungen junger Lehrkräfte, die vor allem das moderne Schulkonzept mit Säulen wie der Lernzeit attraktiv fänden. In diesem Zusammenhang stellte Carmen Fütterer die neuen Lehrkräfte der Schule vor.

Dass aber auch Abschiede und Personalwechsel nicht ausbleiben, verdeutlichte die herzliche Verabschiedung des Deutsch- und Sportlehrers sowie langjährigen Stufenleiters Stefan Seibert an diesem Abend: Das Schulleitungsmitglied aus Rauschenberg wechselt zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres als stellvertretender Schulleiter an die Georg-Büchner-Schule in Stadtallendorf. Die Schulleitung dankte dem Gymnasiallehrer und Oberstudienrat für sein langjähriges Engagement an der Martin-von-Tours-Schule. Nicht zuletzt hatte er als Stufenleiter, Klassen- und Fachlehrer an dem Erfolg der Abschlussklassen mitgewirkt und die Schüler*innen jahrelang bezüglich ihrer Schullaufbahn beraten. Auch hatte es zu Seiberts Aufgaben gehört, die Zeugnisse zu erstellen. 


Als Erfolg verbuchte der Schulleiter Volker Schmidt die überdurchschnittlichen Leistungen der Schüler*innen bei den zentralen Abschlussprüfungen sowie die Tatsache, dass 2019 kein Schüler die Schule ohne Abschluss verlassen habe. Die stellvertretende Schulleiterin Carmen Fütterer ergänzte Schmidts Ausführungen und nannte als Gründe dieses Erfolgs das individualisierte Lernkonzept, die enge Bindung an die jahrelang begleitende Klassenlehrkraft sowie die regelmäßigen Beratungsgespräche zwischen Schüler*innen, Eltern und Lehrkräften.

Anhand einer Power Point Präsentation mit vielen Fotos führten Volker Schmidt und Carmen Fütterer durch das vergangene Jahr: Sie dankten dem Förderverein für das neue Klettergerüst auf dem Hof der Waldschule, freuten sich über die Neugestaltung des Schulhofes in der Querallee und blickten mit Plänen wie dem Aufbau einer Schulbücherei in die Zukunft. Als Höhepunkte des Schuljahres 2019 nannten sie exemplarisch den Erfolg des Siebtklässlers Marvin Eckstein, dessen „Glücksbrief“ zum „Tag der Handschrift“ prämiert und in einem Buch abgedruckt wurde, sowie das Projekt „Kunst im Glashaus“ des Kulturkoffers Hessen. Bei letzterer Aktion hatten die beiden neunten Klassen unter Leitung des Künstlers und Designers Horst Barthel eine Kunstausstellung in Rauschenberg geplant und durchgeführt. „Bildung ist nicht das Befüllen von Fässern, sondern das Entzünden von Flammen“, zitierte der Gastredner Rolf Heckeroth vom Staatlichen Schulamt Marburg den antiken Philosophen Heraklit und freute sich, dass dieses Leitbild an der Martin-von-Tours-Schule in die Tat umgesetzt wird. Dem schloss sich Neustadts Bürgermeister Thomas Groll gerne an und betonte die gelungene Vernetzung von Schule und Stadt.

Wie eng die Schule mit ihrer Stadt verbunden ist, bewies die Verleihung des Martin-von-Tours-Schulpreises an den Neustädter Bürgerverein „WIR für UNS!“, der sich im letzten Jahr für die Schule einsetzte. Die Grundschullehrerin Daniela Schmittdiel berichtete begeistert von ihren ehrenamtlichen wöchentlichen Fahrten als Begleitperson im Bürgerbus, der bedürftige Schüler*innen nach Stadtallendorf zur Tafel bringt, damit sie sich dort mit Lebensmitteln und anderem Notwendigen versorgen können. Geboren war diese Idee aus der Erfahrung heraus, dass viele Kinder ohne Frühstück oder Obst zur Schule kommen. Daraufhin meldete die Pädagogin einige Schüler*innen bei der Tafel an. „Es ist immer wieder ein Erlebnis, die leuchtenden Kinderaugen zu sehen“, verriet sie. Der Bürgerbus sei gerade für geflüchtete Kinder und Jugendliche eine wichtige Einrichtung. 

Ein weiteres Beispiel für die enge Zusammenarbeit zwischen Schule und Bürgerverein ist die ehrenamtliche Unterrichtstätigkeit von Zahra Vahedi, die unter anderem den Informatikunterricht der Schule unterstützt. Der 1. Vorsitzende Dieter Trümpert nahm stellvertretend für alle Mitglieder des Bürgervereins den Preis entgegen. 

Der Verein wurde im April 2019 gegründet und besteht mittlerweile aus etwa 80 Mitgliedern, wobei weitere Mitglieder herzlich willkommen sind. Im Zentrum der Vereinsarbeit steht die stärkere Vernetzung der Bürger*innen untereinander und der Gedanke einer aktiven Bürgergesellschaft. Mittlerweile existieren neben dem Bürgerbus auch die Abteilung „Begegnung – Bewegung“, die Kaffee-Zeit für Senioren, die Pfadfinder, der Mittagstisch in Speckswinkel, die Naturschutz-Initiative  sowie weitere Initiativen und Pläne.

Der Schulleiter Volker Schmidt, der selbst als Vorstandsmitglied des Vereins tätig ist, freute sich über den gelungenen Neujahrsempfang: „Wir haben 2019 viel gemeinsam erreicht.“ 

Nadine Kalbfleisch